TSV-1900-Sickte e.V

Geschichte

Zur Geschichte des Hauptvereins
Zusammenfassung aus "100 Jahre TSV Sickte - Eine Chronik - 1900-2000"

Als Gründungslokal diente der historische Gasthof Westphal in Obersickte (heute Schöningerstraße 12), dessen geschichtliche Vergangenheit bis in die Zeit der Königszüge im 10. und 11. Jahrhundert zurückgeht. Hier fanden sich am 15. August 1900 um 20:30 Uhr die am Turnen interessierten Männer aus Sickte zusammen, um die Vereinstatuten zu beraten und zu verabschieden. Die Männer waren begeisterte Anhänger der durch Turnvater Jahn ins Leben gerufenen Turnbewegung "Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei". Am 19. August 1900, der als Gründungstag angesehen wird, wurden die Statuten nochmals verlesen und 18 Mitglieder (15 aktive und 3 passive) begründeten den "Männer Turnverein 'Vater Jahn Sickte'".

Der Zweck des Vereins: durch Turnen Körper und Geist zu kräftigen und unter den Mitgliedern gemütliche Unterhaltung zu pflegen. So genannte Zöglinge, junge Männer zwischen 14 und 17 Jahren besaßen kein Stimmrecht. Bewerbungen wurden 8 Tage öffentlich ausgehängt. Danach wurde von den Mitgliedern über die Aufnahme abgestimmt.

Im Oktober 1902 wurde der Verein Mitglied im Braunschweiger Turngau. Zum festen Bestandteil des MTV "Vater Jahn Sickte" gehörten das Sommer- und Wintervergnügen sowie die Fastnachtsfeier, die jährlich abgehalten wurden.

Im Jahre 1906 wurden Musikinstrumente für einen zu bildenden Spielmannszug angeschafft, der dann ein Jahr später, am 28. Juli 1907, erstmals zur Vereins-Fahnenweihe öffentlich auftrat.

Für die Seidenstickerei der Fahne, dem Gemeinschaftssymbol des Vereins, wurde ein nationales Motiv gewählt mit einem auf der einen Seite unter einer "Deutschen Eiche" stehenden Turner, der mit der linken Hand den Schafft einer Fahne mit rotem Fahnentuch umfaßt. In seiner rechten Hand hält er ein Wappenschild mit der emblematischen Darstellung der zu einem Kreuz zusammengefügten vier Anfangsbuchstaben des Jahnschen Mottos "Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei". Im Hintergrund geht im Osten, hinter den Elmbergen, symbolisch Deutschlands Sonne auf. Den unteren Abschluss bilden zwei Eichenzweige. Eingerahmt wird diese Darstellung oben und unten durch den Sinnspruch: "Ein freies Volk voll Einigkeit und Kraft, sei das Panier der deutschen Turnerschaft".


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Die andere Seite des Fahnentuch zeigt ein Heimatstaatsmotiv, nachgestaltet dem Braunschweiger Landeswappen. Sie zeigt das mit der braunschweigischen Fürstenkrone gezierte Wappenschild, seitlich gehalten von zwei aufrecht stehenden, herschauenden Löwen als Wappenhalter. Den unteren Abschluß bilden zwei sich kreuzende Lorbeerzweige, während oben und unten die Inschrift "Männer Turnverein Vater Jahn" und "1900 Sickte 1907" das Wappen einrahmen.

Der beeindruckende Festverlauf der Fahnenweihe hatte die spontane Anmeldung von 70 Mänern zur Folge. Die Mitgliederzahl stieg auf 125. Dies ist sicher ein Verdienst des damligen Vorstandes unter Karl Jahns als 1. Vorsitzenden.

1911 war die Mitgliederzahl auf 30 abgesunken. Nach viereinhalbjähriger Kriegszeit fand die erste Generalversammlung am 14. Juni 1919 statt. Der wieder aufgenommene Turnbetrieb verlief in den Folgejahren ohne sportliche Höhepunkte. Als Bereicherung des Sportangebots wurde 1926 Leichtathletik ins Übungsangebot aufgenommen. Für viele jüngere Turner war jedoch schon ein Jahr später der Fußballsport attraktiver geworden und sie wechselten in den neu gegründeten Sportverein SV 27 Sickte.

Die langandauernden Vereinslokalstreitigkeiten, die vorübergehend zur Einstellung des Sportbetriebes geführt hatten, wurden in der Mitgliederversammlung vom 21. August 1928 durch Mherheitsbeschluß beigelegt, indem ein Wechsel von der Gaststätte Jacobs in Obersickte zur Gaststätte Bosse in Niedersickte beschlossen wurde. Diese Festlegung aber glättete offensichtlich nicht alle Wogen, denn bei der anschließenden Vorstandswahl bldete dieser sich nur unvollständig - der Niedergang des Vereins zeichnete sich ab. Er trat dann nie wieder öffentlich in Erscheinung.

Einzig die Vereinsfahne und eine Hantel überdauerten die Kriegswirren. Der ehemalige Fahnenträger Gustav Richter hatte die Fahne auf seinem Hausboden versteckt gehalten. Heute ist sie fachmännisch restauriert und dient weiterhin als Traditionsfahne des "TSV 1900 Sickte e.V.".

Mit der Gründung des "Sport-Verein 1927 Sickte" (SV 27) bekam der Turnverein starke Konkurrenz. Es entstanden 3 Mannschaften, 1. und 2. Herren und eine Knabenmannschaft. Im ersten Spiel gegen Evessen unterlag Sickte mit 1:4 Toren. Von diesem Zeitpunkt an wurden alle Spiele gewissenhaft notiert. Die letzte Eintragung ist vom 4. Februar 1934.

In den Jahren 1933 bis zum Ausbruch des Krieges wurden die bisherigen Sportverbände aufgelöst und versucht, die bisher unabhängigen Sportvereine unter nationalsozialistische Führung zu bringen, was in kleinen und überschaubaren sportlichen Gemeinschaften wie Sickte nur sehr bedingt gelang. Es wurde jedoch ab 1933 sehr viel schwieriger, eine komplette Fußballmannschaft zusammenzustellen, weil viele Sportler ihren Dienst in nationalsozialistischen Organisationen ableisteten und an Spieltagen nicht zur Verfügung standen. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 erloschen sämtliche Sportaktivitäten.

Nach Kriegsende waren der SV 27 Sickte und der MTV Vater Jahn als ehemalige Mitglieder im NSRL offiziell verboten. Es mußte also zunächst ein neuer Sportverein gegründet werden. Auf den Namen SC 46 Sickte lautete der Antrag, der dann auch genehmigt wurde. Die sportlichen Aktivitäten im Fußball, Damen-Handball, Schwimmen und Tischtennis liefen jedoch alle unter der Regie des SV 27 Sickte ab. Nach der Blütezeit Ende der 40er Jahre löste sich nach Wegfall des Sportplatzes am Niedersickter Friedhof die so erfolgreiche Fußballmannschaft auf und existierte ab 1951/52 praktisch nicht mehr.

Ein Neubeginn des Sportbetriebes wurde am 2. August 1954 vollzogen als Wilhelm Jacobs zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde. Eine Laienspielgruppe um Herbert Franz fand große Anerkennung.

Ein weiteres bedeutsames Datum in der Geschichte des Sports in Sickte war der Zusammenschluß des formell noch existierenden MTV Jahn Sickte und des SV 27 Sickte am 23. Juni 1963. Der neue Vereinsname lautete von da an:

Turn- und Sportverein 1900 Sickte e.V.

Die Vereinsfarben wurden mit rot-grün-weiß bestimmt. Unter dem Dach des Vereins wurde 1964 die Damengymnastikgruppe gebildet, gefolgt von der Handballabteilung 1965 und 1968 von der Herrengymnastikgruppe, der sogenannten "Traber-Truppe". 1968 wurde die erste Sickter Schulturnhalle auch dem Verein zugänglich gemacht. Noch im gleichen Jahr entstanden die Badmintonabteilung, sowie Spiel- und Turngruppen der Jungen und Mädchen.

Gesellschaftliche Höhepunkte waren die Maskeraden des Sportvereins für Jung und Alt. Später wurden die jährlichen Festivitäten durch Volksfestgemeinschaften der örtlichen Vereine veranstaltet.

Im Laufe der 80er Jahre konnten zahlreiche Sponsoren, vornehmlich für den Fußball gewonnen werden. Ein Heimspiel-Infoblatt und der periodisch erschienene Sport-Kurier zeugten von neuen Wegen in der Öffentlichkeitsarbeit. 1983/84 setzte Hans Eulberg jr. erstmals einen Commodore C64 für die Vereinsverwaltung ein.

Im April 1985 organisierte sich eine Wandergruppe, im Mai die Tanzsportabteilung und im September die Gruppe der Seniorenturnerinnen und -turner. 1987 waren 926 Aktive in 35 Mannschaften und Gruppen zu verzeichnen. Hinzu kamen 101 passive Vereinsmitglieder.

Im Jahre 1989 wurde Werner Jahn in einer Kampfabstimmung zum neuen 1. Vorsitzenden des TSV gewählt. Der bis dahin 18 Jahre als Vorsitzender amtierende Hans Eulberg sen. hatte den Verein zu einer nie dagewesenen Vielfalt an Sportangeboten geführt. Seine herausragenden historischen Leistungen waren die Errichtung des Sportheimes am Stadtweg und die Installation der Flutlichtanlage zu kostengünstigen Bedingungen.

Nach Übergabe der Geschäfte an Werner Jahn wurde die Mitglieder- und Finanzverwaltung durch Volker Klemme und Christoph Busch auf neue und modernere Füße gestellt. Dies war die Grundlage für die finanzielle Gesundung des Vereins.

Am 8. Mai 1991 wurde mit den Sportarten Reiten und Voltigieren eine neue Abteilung gegründet, die eng mit der Stiftung Neuerkerode zusammenarbeitet. Erstmalig wurde auch Jazzdance in der Tanzsportabteilung angeboten. Im August 1992 wurde die Kunstoff-Mehrzweckanlage der Sickter Schulen eingeweiht. Damit konnte die neue Leichtathletikabteilung den Betrieb aufnehmen. Zu Beginn des Jahres 1993 wurde mit Yoga wiederum ein neues Angebot ins Leben gerufen. Nach langem, aber schließlich erfolgreichem Kampf wurden im Herbst des selben Jahres 3 Tennisplätze ihrer Bestimmung übergeben und damit ein weiteres attraktives Angebot hinzugefügt. Am 4. März 1994 wurden Erich Hage, Walter Essmann, Hans Eulberg sen. und Georg Rost - alles Männer der 1. Vereinsstunde nach dem 2. Weltkrieg - zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der Kinderfasching des TSV Sickte, 1994 erstmals wieder veranstaltet, erfreut sich bis heute großer Beliebtheit.

1995 wurde ein Anbau am Sportheim nebst Gallerie und Terasse errichtet. Geplant als Geräteraum und Duschen für die Tennisabteilung wurden schließlich Tennisduschen, Fußballgeräteraum, Kiosk und Schiedsrichterraum untergebracht, sowie im n&oum;rdlichen Bereich eine Sauna installiert. Der Verein zählte nun 1.221 Mitglieder. Im Jahr 1997 wurde mit den ersten Vorbereitungen für die 100-Jahr-Feier des TSV begonnen. Am 27. März 1998 wurde langjährige Vorsitzende und Mitbegrüder Hans Eulberg sen. zum Ehrenvorsitzenden des TSV Sickte ernannt. Ein Judokurs für Kinder wurde in der Turnhalle in Neuerkerode angeboten. Ein Karatekurs folgte in 1999. Das Seniorentanzen wird alle 14 Tage abgehalten.

Unter großer Beteiligung der Vereinsmitglieder wurde 1999 das Sportheim in Massivbauweise umgebaut. Der unermüdliche Einsatz des 1. Vorsitzenden Werner Jahn ist hier besonders hervorzuheben. Parallel dazu enstanden unterhalb der Tennisplätze ein Beachvolleyballfeld und eine Blockhütte auf dem Gelände der Schulsportanlage. Die Tennisabteilung errichtete aus eigenen Mitteln Geräteraum und Terasse an der Nordseite des Sportheimes.

Somit waren Sportstätten und Anlagen für das Jubiläum herausgeputzt. Die Feierlichkeiten fanden unter großer Beteiligung der Bevölkerung in würdigem Rahmen statt und können nur als Riesenerfolg gewertet werden (Berichte siehe 100-Jahre-TSV).